James Lasts jazziger Misserfolg wieder erhältlich

7. July, 2008

James Last, der deutsche König des Easy Listening, produzierte 1975 in den USA das Album «Well Kept Secret», das sich als einen seiner seltenen Misserfolge entpuppte. Unter Musikliebhabern arbeiteten sich die jazzig-funkigen Aufnahmen jedoch mit den Jahren zum geschätzten Geheimtipp hoch. Nun ist das bis anhin nur auf Vinyl erhältliche Album auf CD erschienen, versehen mit dem neuen Titel «James Last In Los Angeles».

Seit den sechziger hatte James Last in der ganzen Welt grossen Erfolg. Nur in den USA konnte der mit einem sicheren Riecher für den Massengeschmack ausgestattete Komponist und Arrangeur nicht Fuss fassen. Dies wollte er ändern. Er entschied, ein Album zugeschnitten auf den US-amerikanischen aufzunehmen.

Üblicherweise nahm Last seine Alben in Hamburg auf. Aber «Well Kept Secret»  spielte er in Los Angeles mit lokalen Studiomusikern ein. Darunter Grössen wie Larry Carlton an der Gitarre, Max Bennett am Bass, Larry Muhoberac an den Keyboards, Tom Scott an der Flöte, Ernie Watts am Saxophon und Gary Coleman an der Perkussion.

Zur Seite stand ihm als Produzent Wes Farrell (unter anderem Co-Autor von «Hang On Sloopy» und Produzent der «Partridge Family»). Er sorgte dafür, dass James Lasts Arrangements ein neues Klangkleid erhielten. James Last war begeistert: «Ich habe meine eigenen Arrangements nicht wieder erkannt, es war umwerfend. (…) Meine Musik klang völlig anders als andere James-Last-Alben, und genau das hatte ich mir gewünscht.»

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Das Album kam begleitet von einer grossen Werbekampagne auf den amerikanischen Markt, die Kritiker besprachen es wohlwollend, aber der kommerzielle Erfolg blieb aus. Auch in der Heimat musste James Last auf den Erfolg verzichten: «Für den deutschen Markt hingegen war das Album zu jazzig, dort erwartete man sich von mir ja eher populärere Stilrichtungen. Ausserdem war Polydor (seine Plattenfirma, Anm. des Verfassers) nicht unbedingt begeistert, dass ich die Platte in den USA produziert (…) hatte.»

James Last Zitate aus «Mein Leben – Die Autobiographie», von James Last (mit Thomas Macho), Heyne, München 2007, Seiten 239-40

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Queens: Wohnort der Jazz-Grössen

6. July, 2008

Reise nach Queens, zum Mittelpunkt des Jazz ist ein empfehlenswerter Artikel auf Welt Online. Es geht um eine Führung zu den Häusern der Jazz Musiker Ella Fitzgerald, Count Basie und Louis Armstrong, die alle im New Yorker Stadtteil Queens wohnten.


Der James Last Schriftzug verführt zur Biografie

4. July, 2008

James Last Schriftzug

Schuld war der Schriftzug auf dem Buchumschlag. Er verführte mich in der Buchhandlung dazu, die Biografie eines Musikers zu kaufen, dessen Musik ich nicht kenne. Möglich war das, weil der Schriftzug eine Kindheitserinnerung weckte.

Irgendwann in den siebziger Jahren. Ich stöbere in der väterlichen Schallplattensammlung und stosse neben den Beatles, Elvis und Boney M. auf eine Schallplatte von James Last. Auf der Schallplattenhülle sind tanzende Leute zu sehen und darüber prangt in Gelb und Orange der James Last Schriftzug. Die Schallplatte hörte ich mir nie an – die Beatles, Elvis und Boney M. hatten Vorrang. Aber der James Last Schriftzug prägte meine Erinnerung so stark, dass er noch dreissig Jahre später präsent ist.

James Last

James Last ist neben Udo Jürgens der ideale Prototyp des Siebziger-Jahre-Lebemannes. Ich verknüpfe mit ihm Partys im von Vati selbst eingerichteten Partykeller, Cocktails, weisse Schuhe, taillierte Jackets und Schlaghosen. Die Biografie «Mein Leben» bestätigt diese Assoziationen: James Last ist siebziger Jahre. Inklusive Partyraum, den er für sich und seine Bandmitglieder bauen liess.

Die Biografie beschreibt gradlinig den Weg vom einfachen Bremer Beamten-Sohn zum erfolgreichen Musiker und bietet die für Künstlerbiografien übliche Mischung aus Kindheit, Anekdoten, Erfolgen und ein paar Geständnissen. Glücklicherweise überwiegt aber das Musikalische. Man erhält gute und spannende Einblicke in den Tournee-Alltag, Schallplattenaufnahmen und das Musikgeschäft. Diese Einblicke entschädigen einen für den etwas ungelenken und geschwätzigen Schreibstil und manche selbstbeweihräuchernde Einwürfe, die ein erfolgreicher Künstler wie James Last nicht nötig hätte.

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James Lasts internationaler Erfolg als Bandleader, Komponist und Arrangeur war unglaublich. Er verkaufte über 80 Millionen Schallplatten und tourt immer wieder durch die ganze Welt. Last arbeitet hart für seinen Erfolg, er war ständig im Tonstudio oder auf Tournee und musste daneben komponieren und arrangieren.

Dank der in den neunziger Jahren einsetzenden Siebziger-Jahre-Renaissance schaffte er es, bis heute im Geschäft und Gespräch zu bleiben. Nicht zuletzt dank seiner Zusammenarbeit mit der Hip-Hop Gruppe «Fettes Brot» und der Verwendung seiner Komposition «Einsamer Hirte» auf dem Soundtrack von Quentin Tarantinos Film «Kill Bill» (mit Zamfir an der Panflöte).

Nach dem Lesen habe ich mir übrigens endlich James Last angehört. Und ich muss sagen: ganz nett. Last versteht es, eingängig und gefühlsvoll zu arrangieren. Seine Musik ist auf gekonnte Weise plakativ.

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