Der James Last Schriftzug verführt zur Biografie


James Last Schriftzug

Schuld war der Schriftzug auf dem Buchumschlag. Er verführte mich in der Buchhandlung dazu, die Biografie eines Musikers zu kaufen, dessen Musik ich nicht kenne. Möglich war das, weil der Schriftzug eine Kindheitserinnerung weckte.

Irgendwann in den siebziger Jahren. Ich stöbere in der väterlichen Schallplattensammlung und stosse neben den Beatles, Elvis und Boney M. auf eine Schallplatte von James Last. Auf der Schallplattenhülle sind tanzende Leute zu sehen und darüber prangt in Gelb und Orange der James Last Schriftzug. Die Schallplatte hörte ich mir nie an – die Beatles, Elvis und Boney M. hatten Vorrang. Aber der James Last Schriftzug prägte meine Erinnerung so stark, dass er noch dreissig Jahre später präsent ist.

James Last

James Last ist neben Udo Jürgens der ideale Prototyp des Siebziger-Jahre-Lebemannes. Ich verknüpfe mit ihm Partys im von Vati selbst eingerichteten Partykeller, Cocktails, weisse Schuhe, taillierte Jackets und Schlaghosen. Die Biografie «Mein Leben» bestätigt diese Assoziationen: James Last ist siebziger Jahre. Inklusive Partyraum, den er für sich und seine Bandmitglieder bauen liess.

Die Biografie beschreibt gradlinig den Weg vom einfachen Bremer Beamten-Sohn zum erfolgreichen Musiker und bietet die für Künstlerbiografien übliche Mischung aus Kindheit, Anekdoten, Erfolgen und ein paar Geständnissen. Glücklicherweise überwiegt aber das Musikalische. Man erhält gute und spannende Einblicke in den Tournee-Alltag, Schallplattenaufnahmen und das Musikgeschäft. Diese Einblicke entschädigen einen für den etwas ungelenken und geschwätzigen Schreibstil und manche selbstbeweihräuchernde Einwürfe, die ein erfolgreicher Künstler wie James Last nicht nötig hätte.

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James Lasts internationaler Erfolg als Bandleader, Komponist und Arrangeur war unglaublich. Er verkaufte über 80 Millionen Schallplatten und tourt immer wieder durch die ganze Welt. Last arbeitet hart für seinen Erfolg, er war ständig im Tonstudio oder auf Tournee und musste daneben komponieren und arrangieren.

Dank der in den neunziger Jahren einsetzenden Siebziger-Jahre-Renaissance schaffte er es, bis heute im Geschäft und Gespräch zu bleiben. Nicht zuletzt dank seiner Zusammenarbeit mit der Hip-Hop Gruppe «Fettes Brot» und der Verwendung seiner Komposition «Einsamer Hirte» auf dem Soundtrack von Quentin Tarantinos Film «Kill Bill» (mit Zamfir an der Panflöte).

Nach dem Lesen habe ich mir übrigens endlich James Last angehört. Und ich muss sagen: ganz nett. Last versteht es, eingängig und gefühlsvoll zu arrangieren. Seine Musik ist auf gekonnte Weise plakativ.

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