Der grosse amerikanische Schlagzeuger Earl Palmer ist gestorben

Sein Vermächtnis ist immens: mit seinem Schlagzeug-Spiel formte er die amerikanische Pop-Musik von den späten vierziger Jahren bis in die achtziger Jahre. Earl Palmer, geboren am 25. Oktober 1924 in New Orleans, starb am 19. September zuhause in Banning (Kalifornien). Ungefähr vor einem Jahr wurde er an der Lunge operiert und hat sich davon nicht mehr erholt.

Tief im Herzen war Earl Palmer ein Jazz-Schlagzeuger, aber sein geschmackssicheres und unglaublich vielseitiges Schlagzeug-Spiel war in jedem Musikstil zu Hause: Rhythm ‘n’ Blues, Rock ‘n’ Roll, Blues, Rock, Soul, Filmmusik, Musik für Zeichentrickfilme oder Easy Listening. Er ist auf Dutzenden von historischen Songs und Filmmusiken zu hören.

Zu seinem Schlagzeug tanzten in den fünfziger Jahren Teenager auf der ganzen Welt. Er spielte auf wegweisenden Rock ‘n’ Roll Songs wie I’m Walkin (Fats Domino) , Tutti Frutti, The Girl Can’t Help It, Long Tall Sally (Little Richard) , La Bamba ( Ritchie Valens) oder Summertime Blues (Eddie Cochran). Er spielte für Soul-Star Sam Cooke (Cupid, Twistin’ The Night Away), für Frank Sinatra, Dinah Washington, Ray Charles, Herb Alpert, Glen Campbell, Mel Tormé, Lou Rawls, die Beach Boys, die Monkees, Tim Buckley, Tom Waits, die Byrds, die Supremes, Marvin Gaye, Randy Newman, Barbara Streisand und viele mehr.

Und dann sind da noch die Filmmusiken: Er arbeitete mit grossartigen Komponisten wie Quincy Jones, Elmer Bernstein, John Barry, Neal Hefti und Maurice Jarre. Er sorgte für den Rhythmus in Filmen wie Das Urteil von Nürnberg, Die Lady und der Tramp, In der Hitze der Nacht und Bullitt. Und er ist auch in vielen klassischen Fernsehserien auf der Tonspur zu hören, unter anderem in 77 Sunset Strip, Peyton Place, Die Partridge Familie und M*A*S*H.

Als Kind war Earl Palmer Stepptänzer, später fing er an Schlagzeug zu spielen. Bald spielte er mit vielen Bands in New Orleans. Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte er mit einem Armee-Stipendium an der Grunewald’s School of Music in New Orleans Musiktheorie, Notenlesen und Arrangieren. Als er 1957 nach Los Angeles zog, brachte er nicht nur charakteristische New Orleans-Rhythmen mit, sondern auch fundierte musikalische Kenntnisse. Diese halfen ihm dabei, zum meistgefragtesten Studio-Schlagzeuger von Los Angeles zu werden.

Drummerworld bietet interessante Informationen zu seinem Schlagzeug-Stil und Video-Beispiele. Es gibt auch eine sehr gute Biografie mit dem Titel Backbeat: Earl Palmer’s Story, die 1999 erschien.

Freddie Brocksieper – Die Trommel und ihr Rhythmus

Freddie Brocksieper - Die Trommel und ihr Rhythmus

Leicht desinteressiert überfliege ich neulich bei Ex-Libris die Kiste mit den Billig-CDs. Da springt mich der Name «Freddie Brocksieper» an. Ich muss schmunzeln und nehme die CD in die Hand. Sie trägt den Titel «Die Trommel und ihr Rhythmus», auf dem Umschlag ein schwarzweisses Foto eines Schlagzeugers, vermutlich aus den vierziger Jahren. Die CD stammt aus der Reihe «Jazz Club».

Ich stutze. Jazz, vierziger Jahre und ein deutscher Titel gehen eigentlich nicht zusammen. Jazz war unter den Nazis verboten. Seit 1935 durfte Jazz im «Reichsrundfunk» nicht mehr gespielt werden. Sind das etwa deutsche Jazz-Aufnahmen aus der Zeit des Nationalsozialismus? Ein Blick ins CD-Heftchen bestätigt die Vermutung. Die Titel wurden alle 1942 und 1943 Berlin von der Schallplattenfirma Brunswick aufgenommen. Freddie Brocksieper war ein Schlagzeuger und Bandleader. Weitere Informationen sind leider nicht vorhanden. Natürlich kaufe ich diese seltsame CD.
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