Der musikalische Vater von Wickie und Heidi

Christian Bruhn

Wer in den siebziger Jahren Kind war, dessen Ohren kamen nicht an Christian Bruhn vorbei. Dieser Komponist schrieb die Titelmusiken zu den Zeichentrickserien «Wickie und die starken Männer» und «Heidi».

Aber dies ist nur ein kleiner Ausschnitt aus Christian Bruhns Schaffen. Er komponierte die Musik für Schlager wie zum Beispiel «Zwei kleine Italiener» von Conny Froboess oder «Liebeskummer lohnt sich nicht» von Siw Malmkvist. Und er war Mitkomponist von «Marmor, Stein und Eisen bricht», der Schlager, der Drafi Deutscher zum Star machte.

Wer neugierig auf das vielseitige Schaffen von Christian Bruhn geworden ist, findet weitere Informationen und Hörbeispiele auf www.christianbruhn.de. Das Schöne an dieser Seite sind – neben den Informationen – die durchgängig positiven Selbsteinschätzungen des Komponisten. So findet er seine allererste Titelmusik «heute noch gut», andere Lieder schätzt er ein als «ziemlich Kult» oder «ziemlich überzeugend». Urteilen Sie selber …

Wussten Sie übrigens, dass Gitti und Erika das Heidi-Lied sangen? Das Lied hat sich während meiner Kindheit in meine Trommelfelle eingebrannt, aber ich fragte mich nie, wer es sang. Somit wäre also eine Frage beantwortet, die ich mir gar nie gestellt habe.

Verwandte Links

Gitte Haenning – von Schlager bis Jazz

Gitte Haenning Cover

Vor ein paar Wochen, spät am Abend beim Zappen, bleibe ich auf einem dritten Programm bei «Ich will alles – Die Gitte Haenning Story» hängen. Eine umwerfende, unglaubliche Geschichte. Eine Geschichte, die in Skandinavien, Deutschland, Italien spielt. Die Geschichte eines Mädchens, das in Dänemark zusammen mit dem Vater auftritt, ein Kinderstar wird und als Teenager bereits Multimillionärin ist.

Der Bruch mit dem Vater, der riesige Erfolg in Deutschland, der ihr noch mehr Geld und noch mehr Ruhm brachte. Erfolgreiche Duette mit Rex Gildo, immer wieder Schauspielerei in deutschen und skandinavischen Filmen, Musical-Auftritte. Eigene TV-Shows. Eine unglaubliche Vielseitigkeit. Aber sie musste sich den Regeln der deutschen Schlagerindustrie unterordnen. Also auf keinen Fall zu Anspruchsvolles produzieren und das Image der harmlosen Göre pflegen.

Köstlich ist der Versuch der Plattenfirma, dem Publikum Gitte und den schwulen Rex Gildo als Traumpaar zu verkaufen. Spannend auch anhand zeitgenössischer Filmaufnahmen zu sehen, wie frisch Gitte im Nachkriegs-Deutschland wirkte. Ihr Hit «Ich will ‘nen Cowboy als Mann» sorgte sogar für einen kleinen Skandal: Eine bayrische Bahnbeamten-Vereinigung protestierte dagegen, dass sich Gitte im Song über Bahnbeamte lustig macht.

Neben dem Schlager pflegt sie ihre Liebe zum Jazz, Gitte ist eine ausgezeichnet Jazz-Sängerin. Kopenhagens Jazz-Szene war in den sechziger Jahre sehr lebendig, viele US-Amerikaner spielten in den Clubs. Einer ihrer Förderer war der Bassist Oscar Pettiford, der leider bei einem Fahrradunfall in Kopenhagen ums Leben kam. Ein weiterer Bassist spielte in Gittes Leben ein wichtige Rolle: Niels-Henning Ørsted Pedersen war mehrere Jahre ihr Lebenspartner.

Immer mehr befreit sich Gitte aus der engen Schlagerwelt, macht Aufnahmen mit Big Bands, probiert Neues aus, nimmt die Karriere selber in die Hand und hat in den achtziger Jahren grossen Erfolg mit intelligenten, aber dennoch eingängigen und zeitgemäss klingenden Songs. Gitte produziert immer noch CDs und steht regelmässig auf der Bühne. Entweder solo oder zusammen mit Wencke Myhre und Siw Malmkvist.

«Ich will alles – Die Gitte Haenning Story» ist ein wunderbarer Musik-Dokumentarfilm, der offensichtlich in enger Zusammenarbeit mit Gitte entstand. Trotzdem ist es ein ehrlicher Film, kein blosses Fan-Projekt. Er vermittelt einem einen guten Einblick in die schillernde Persönlichkeit von Gitte und klammert kritische Töne nicht aus. Zu Wort kommen unter anderem Freunde, Verwandte und Mitmusiker. Sehenswert sind die vielen Archivaufnahmen, die bis zurück an den Anfang ihrer Karriere reichen. Der Film ist erhältlich auf Amazon.