DDR Beat Revolution


Amiga Cocktail, 1964 Berlin Friedrichstadtpalast
Amiga Cocktail, 1964 Berlin Friedrichstadtpalast. Quelle: http://www.franke-echo.de

Das DDR-Regime versuchte mit der Berliner Mauer vergeblich, die DDR-Bevölkerung von der westlichen «Beat»-Musik fernzuhalten. Zwar trennte sie Deutschland, Familien, Freunde und Verliebte. Aber der angebliche «antifaschistische Schutzwall» schaffte es nicht, der ungestümen Kraft der US-amerikanische geprägten Musik standzuhalten.

Im November 1964, die Berliner Mauer  war gerade drei Jahre alt geworden, fand im Berliner Friedrichstadtpalast der «Amiga Cocktail» statt, eine Musik-Revue der staatlichen Plattenfirma Amiga. Die Revue wurde live im Fernsehen und Radio übertragen. Im Publikum waren viele Jugendliche und junge Erwachsene.

Neben Schlagerstars treten auch «Beat»-Bands aus der DDR wie die Sputnicks, die Amigos und das Franke Echo Quintett auf.  Beim Auftritt des Franke Echo Quintetts erreicht die Stimmung im Saal ihren Höhepunkt. Die instrumentalen «Beat»-Stücke im Stil von The Ventures, Duane Eddy und The Shadows reissen das Publikum mit –  es will die Band nicht mehr von der Bühne lassen und fordert sie mit endlosem Applaus zurück. Der behäbige Moderator, der in seiner Nachkriegs-Beleibtheit an Heinz Erhardt erinnert, versucht verägert, den Applaus und das Gejohle zu unterbrechen. Vergeblich. Die Begeisterung schwillt noch mehr an, es schwebt ein Hauch von lebensfreudiger Revolution durch den Saal. Unbeirrt kündigt der Moderator die Schlagersängerin Vanna Olivieri an. Sie betritt lächelnd die Bühne und wird – kaum öffnet sie den Mund – ausgebuht. Stoisch, übertönt von einem ununterbrochener Buhruf-Teppich, singt sie ihr Lied.

Heute ist es schwer zu verstehen, was für eine Begeisterung die «Beat»-Musik auslösen konnte. Und zwar weltweit, nicht nur in der isolierten DDR. Die heutige Pop-Musik ist endgültig domestiziert, und auch ehemals rebellische Stile wie der Punk lösen keine Irritationen geschweige denn irgendwelche Tumulte aus. aus

Anmerkungen:

Dieser Artikel stützt sich auf eine Aufzeichnung des «Amiga Cocktail», die im Spätsommer 2008 im MDR in einer Nostalgiesendung gezeigt wurde, deren Namen mir leider entfallen ist. Beim Moderator des «Amigo Cocktail» könnte es sich um Heinz Quermann handeln.  Das Franke Echo Quintett ist übrigens immer noch aktiv unter dem Namen Franke Echo Berlin.

Weiterführender Link: Der «Leipziger Beataufstand» im Oktober 1965

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